Ein Kind schlägt ein Buch auf …

In Sambia hockt ein Junge mit leuchtenden Augen zwischen roten Staubkörnern auf dem Schulhof und hält ein zerlesenes Bilderbuch fest umklammert, während in Finnland gerade ein zehnjähriges Mädchen mit der Taschenlampe unter der Wolldecke verschwindet und sich den sechsten Band ihrer Lieblingsreihe vorknöpft. In Südkorea lümmeln Kinder auf dem warmen Boden eines Buchcafés und blättern gemeinsam durch quietschbunte Manhwas. Und in Kolumbien sitzen drei Freunde gespannt am Wegesrand und halten nach dem „Biblioburro“ Ausschau, dem Büchereiesel, der auf staubigen Pfaden Bücher in ihr abgelegenes Dorf bringt.

Wie und wo Kinder in aller Welt lesen, ist so vielfältig wie die Geschichten selbst. Doch ob umklammert, verschlungen, weitergereicht oder heiß ersehnt: Überall auf der Welt öffnen Kinder nicht einfach nur Bücher, sondern Tore zu neuen Abenteuern.

Weltkinderbuchtag_Apostroph Group

Von Andersen bis allerorten

Genau das feiert der 2. April, der Weltkinderbuchtag – und der Tag ist nicht zufällig gewählt: Es ist der Geburtstag von Hans Christian Andersen, dem dänischen Schriftsteller, dessen Märchen seit Generationen um die Welt reisen. Geschichten wie Die kleine Meerjungfrau oder Das hässliche Entlein gehören heute zur Weltliteratur – obwohl sie ursprünglich nur für Kinder geschrieben wurden.

Der Weltkinderbuchtag wurde 1967 von der Organisation International Board on Books for Young People ins Leben gerufen. Seitdem richtet jedes Jahr ein anderes Land den Tag aus und bringt seine ganz persönliche Note mit ein: Ein neues Motto, ein eigens gestaltetes Plakat und oft auch eine inspirierende Botschaft wandern von Kontinent zu Kontinent. So kommt jedes Jahr frischer Wind in die weltweite Kinderbuchszene, doch die Mission bleibt stets dieselbe: Lesen sichtbar, erlebbar und für alle möglich zu machen.

Wörter, Wunder, Weltverständnis – was Kinder beim Lesen lernen

Während man mit Pippi Langstrumpf Bäume hochklettert, mit Rico und Oskar Berliner Hinterhöfe durchstreift oder mit Momo heimlich der Zeit auf die Schliche kommt, wächst ganz nebenbei mehr als nur die Abenteuerlust:

Sprache

Manchmal trifft man auf Wörter, die man vorher noch nie gehört hat – „Gruselgacker“ oder „Pfefferprinzessin“ zum Beispiel. Wer viel liest, lernt, wie Sprache schmeckt, wie sie klingt und wie sie sich manchmal sogar verdreht. Je mehr Seiten, desto reicher der eigene Wortschatz und desto flüssiger landet am Ende auch ein Aufsatz im Deutschheft.

Textverständnis

Lesen heißt: Geschichten wirklich durchdringen. Wer sich, wie in der Schule der magischen Tiere, mit einem wachsamen Auge durch kleine Hinweise und Rätsel liest, kann plötzlich nicht nur geheime Botschaften im Klassenraum entschlüsseln, sondern versteht auch die kleine Anspielung in Omas Brief.

Empathie

Wenn man mit Ronja Räubertochter durch den düsteren Wald rennt oder mit dem Kleinen Prinzen Sehnsucht hat, spürt man: So fühlt es sich für andere an. Geschichten lassen Kinder in andere Leben schlüpfen – und machen Herz und Kopf weit für Neues.

Selbstwirksamkeit

Bei der letzten Zeile eines dicken Harry-Potter-Buchs angekommen? Das macht richtig stolz! Jedes beendete Abenteuer zeigt: Ich kann das. Lesend wächst das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten – und nicht nur in der Bücherwelt.

Konzentration

Während TikTok und Co nach schnellen Reizen schreien, sorgt eine gut erzählte Geschichte für pure Fokussierung – egal, ob draußen ein Gewitter tobt oder sich die Geschwister in den Haaren haben. Wer in eine Geschichte abtaucht, übt ganz nebenbei das Dranbleiben, was auch in anderen Lebensbereichen wertvoll ist.


Doch was, wenn das Kind noch nicht lesen kann oder es sich nach einem langen Tag einfach niemand mehr aufraffen mag, selbst zu lesen? Keine Sorge:

Nadja Plaßmann
„Ich mag gern Kurzgeschichten und lange Spaziergänge. Außerdem neige ich zum Wurzelschlagen, wünsche mir aber bisweilen Flügel. Seit 2006 korrigiere und texte ich mit Akribie, Anspruch und Aussagekraft.“
Nadja Plaßmann · Language Consultant, Apostroph Germany

Vorlesen: ein Band, das hält

Eigentlich reicht ein Schoß, ein bisschen Zeit und ein Buch mit Eselsohren mitten im Gewusel des Tages. Das gemeinsame Vorlesen schweißt zusammen, schafft Nähe – und schenkt Kindern am Ende nicht nur Wörter, sondern vor allem Geborgenheit.

Viele Kinder erleben das heute erstaunlich selten, dabei ist es so bereichernd. Studien wie der Vorlesemonitor  der Stiftung Lesen zeigen: Wem regelmäßig vorgelesen wird, der findet später leichter den Zugang zum Selberlesen, wächst sprachlich und traut sich auch eher, eigene Gedanken in Worte zu fassen. Und das Beste: Zehn Minuten täglich reichen schon – Hauptsache, das Buch steht im Mittelpunkt und nicht der nächste bunte Knopf.

Und das Beste: Zehn Minuten täglich reichen schon – Hauptsache, das Buch steht im Mittelpunkt und nicht der nächste bunte Knopf.

Ob man bei den Drachen Stimmen verdreht, das Ende umschreibt oder gemeinsam lacht, weil Papa die Hexe ständig mit dem Papagei verwechselt – alles ist erlaubt. Das Entscheidende ist, man bleibt neugierig und hat Lust, die Geschichte gemeinsam zu entdecken. Und manchmal, das wissen alle, die schon oft vorgelesen haben, sind es genau diese kleinen, improvisierten Momente, die am längsten in Erinnerung bleiben.

Weltkinderbuchtag – und dann?

Der 2. April ist ein guter Anlass, mal wieder in die Bibliothek zu schlendern oder eine alte Lieblingsgeschichte vorzulesen. Noch wichtiger aber: Bücher sind kein Sonntagsanzug. Sie gehören mitten ins Leben – auf den Küchentisch, unter die Bettdecke, in den Rucksack. 

Vielleicht ist das die schönste Botschaft zum Weltkinderbuchtag: Es geht nicht ums Müssen, sondern ums Möglichmachen. Ein Buch, das griffbereit liegt. Ein gemeinsamer Blick aufs nächste Kapitel. Ein paar Minuten Staunen – und schon ist die Tür zum Abenteuer wieder offen.

Ein Kind schlägt ein Buch auf … und die Reise beginnt.

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