Warum Nachhaltigkeit künftig präziser formuliert werden muss

Es gab eine Zeit, da genügte ein Blatt auf der Verpackung, ein sanftes Moosgrün im Corporate Design und der Hinweis auf „nachhaltiges Handeln“, um Unternehmen kommunikativ in die Nähe unberührter Wälder und summender Wildblumenwiesen zu rücken. 

Diese Zeit geht zu Ende.

EmpCo Richtlinie Apostroph Germany

Nicht weil Nachhaltigkeit an Bedeutung verliert – im Gegenteil. Sie ist längst in der Mitte der Unternehmenskommunikation angekommen. Kaum ein Geschäftsbericht, kaum eine Unternehmenswebsite oder Produktkampagne kommen heute ohne Aussagen zu Umwelt, Klima oder gesellschaftlicher Verantwortung aus. Denn Nachhaltigkeit ist heute längst mehr als ein Imagefaktor. Sie ist Teil der Unternehmensrealität – und damit auch Teil einer Realität, die belegt, erklärt und präzise beschrieben werden muss.

Denn die „Empowering Consumers for the Green Transition“-Richtlinie, kurz EmpCo, tritt Ende September in Kraft. Ihr Ziel: Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor irreführenden Umweltaussagen zu schützen. Ihr Nebeneffekt: Allgemeine Umweltversprechen geraten unter Druck. So werden beispielsweise aus vermeintlich harmlosen Adjektiven wie:

  • nachhaltig
  • umweltfreundlich
  • klimaneutral
  • grün

plötzlich risikobehaftete Begriffe.

Wenn Adjektive plötzlich Belege brauchen

Für Marketing- und Kommunikationsteams bedeutet das vor allem eines: Sprache wird zum Compliance-Thema. Denn Worte schaffen Erwartungen. Wer von einem „nachhaltigen Produkt“ spricht, erzeugt ein Bild. Wer „umweltfreundlich“ schreibt, schafft Vertrauen. Wer „Klimaneutralität“ kommuniziert, verspricht mehr als nur gute Absichten.

Und genau deshalb reicht die Behauptung künftig immer seltener. Nehmen wir den Satz: „Unsere Verpackung ist nachhaltig.“ Klingt sympathisch. Aber was bedeutet das? Besteht die Verpackung aus Recyclingmaterial? Wurde weniger Material eingesetzt? Ist sie wiederverwendbar? Oder bedeutet „nachhaltig“ in diesem Fall vor allem, dass sie grün gestaltet ist?

Belastbarer wäre:

„Unsere Verpackung besteht zu 90 Prozent aus recyceltem Karton und reduziert den Materialeinsatz gegenüber der Vorgängerversion um 30 Prozent.“ Der Satz ist weniger allgemein. Und dadurch deutlich glaubwürdiger. Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft der EmpCo-Richtlinie: Aus Green Claims werden Explain Claims.

Nadja Plaßmann
„Ich mag gern Kurzgeschichten und lange Spaziergänge. Außerdem neige ich zum Wurzelschlagen, wünsche mir aber bisweilen Flügel. Seit 2006 korrigiere und texte ich mit Akribie, Anspruch und Aussagekraft.“
Nadja Plaßmann · Language Consultant, Apostroph Germany

Weniger Schlagworte, mehr Substanz

Dabei ist das keine schlechte Nachricht. Denn die meisten Unternehmen haben heute weit mehr zu erzählen als bloße Absichtserklärungen. Sie optimieren Lieferketten, investieren in erneuerbare Energien, reduzieren Emissionen, entwickeln kreislauffähige Produkte oder definieren anspruchsvolle ESG-Ziele.

Nur landen all diese komplexen Maßnahmen am Ende häufig in Sätzen wie:

„Wir übernehmen Verantwortung für die Umwelt.“ Das ist ungefähr so konkret wie die Aussage, man mache gern Urlaub. Die eigentliche Leistung guter Nachhaltigkeitskommunikation besteht künftig darin, komplexe Sachverhalte verständlich zu machen – ohne sie zu vereinfachen, zu überhöhen oder in wohlklingenden Floskeln verschwinden zu lassen.

Sie muss konkret sein. Sie muss nachvollziehbar sein. Sie muss konsistent sein. Und sie muss einer einfachen Frage standhalten: Woran machen Sie das fest? Denn zwischen „Wir reduzieren Emissionen“ und „Wir haben unsere Scope-1-Emissionen seit 2022 um 18 Prozent reduziert“ liegen kommunikativ nur wenige Wörter. Vertrauensseitig liegen Welten dazwischen.

Nachhaltigkeit spricht nicht in jeder Sprache gleich

Besonders anspruchsvoll wird die Situation für international tätige Unternehmen. Denn Nachhaltigkeitsaussagen erscheinen selten nur in einer Sprache. Sie finden sich auf Websites, in ESG-Berichten, Produktinformationen, Kampagnen und Investorenkommunikation – häufig gleichzeitig in zahlreichen Märkten.

Und genau hier zeigt sich: Nachhaltigkeit lässt sich nicht einfach übersetzen.

Eine Aussage, die in einem Land als sachlich und transparent wahrgenommen wird, kann in einem anderen Markt übertrieben, missverständlich oder regulatorisch problematisch sein. Mit anderen Worten: Nachhaltigkeitskommunikation braucht nicht nur die richtigen Fakten, sondern auch die richtigen Worte.

Und diese Worte müssen in jeder Sprache dieselbe Präzision entfalten. Denn es geht längst nicht mehr nur um Übersetzung. Es geht um Konsistenz, Terminologie, kulturelle Einordnung und die Frage, wie Nachhaltigkeitsbotschaften so übertragen werden können, dass sie in jedem Markt glaubwürdig und belastbar bleiben.

Grün bleibt wichtig. Präzision wird Pflicht.

Die EmpCo-Richtlinie markiert deshalb nicht das Ende der Nachhaltigkeitskommunikation. Sie markiert ihr Erwachsenwerden. Unternehmen werden künftig weniger behaupten und mehr erklären müssen. Weniger mit großen Begriffen arbeiten und stärker zeigen, was tatsächlich erreicht wurde – und vielleicht auch, was noch nicht erreicht wurde.

Denn auch Transparenz über offene Ziele schafft Vertrauen. Die gute Nachricht: Viele Unternehmen müssen dafür nicht nachhaltiger werden. Sie müssen lernen, präziser darüber zu sprechen.

Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitskommunikation sprachlich auf den Prüfstand zu stellen – von Websites und Broschüren über ESG-Berichte bis hin zu internationalen Kampagnen. Damit aus guten Absichten glaubwürdige Aussagen werden. Und aus komplexen Nachhaltigkeitsthemen Texte, die verständlich, konsistent und auch künftig belastbar bleiben.

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Ihr Sales-Team
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