Denn die „Empowering Consumers for the Green Transition“-Richtlinie, kurz EmpCo, tritt Ende September in Kraft. Ihr Ziel: Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor irreführenden Umweltaussagen zu schützen. Ihr Nebeneffekt: Allgemeine Umweltversprechen geraten unter Druck. So werden beispielsweise aus vermeintlich harmlosen Adjektiven wie:
- nachhaltig
- umweltfreundlich
- klimaneutral
- grün
plötzlich risikobehaftete Begriffe.
Wenn Adjektive plötzlich Belege brauchen
Für Marketing- und Kommunikationsteams bedeutet das vor allem eines: Sprache wird zum Compliance-Thema. Denn Worte schaffen Erwartungen. Wer von einem „nachhaltigen Produkt“ spricht, erzeugt ein Bild. Wer „umweltfreundlich“ schreibt, schafft Vertrauen. Wer „Klimaneutralität“ kommuniziert, verspricht mehr als nur gute Absichten.
Und genau deshalb reicht die Behauptung künftig immer seltener. Nehmen wir den Satz: „Unsere Verpackung ist nachhaltig.“ Klingt sympathisch. Aber was bedeutet das? Besteht die Verpackung aus Recyclingmaterial? Wurde weniger Material eingesetzt? Ist sie wiederverwendbar? Oder bedeutet „nachhaltig“ in diesem Fall vor allem, dass sie grün gestaltet ist?
Belastbarer wäre:
„Unsere Verpackung besteht zu 90 Prozent aus recyceltem Karton und reduziert den Materialeinsatz gegenüber der Vorgängerversion um 30 Prozent.“ Der Satz ist weniger allgemein. Und dadurch deutlich glaubwürdiger. Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft der EmpCo-Richtlinie: Aus Green Claims werden Explain Claims.
Weniger Schlagworte, mehr Substanz
Dabei ist das keine schlechte Nachricht. Denn die meisten Unternehmen haben heute weit mehr zu erzählen als bloße Absichtserklärungen. Sie optimieren Lieferketten, investieren in erneuerbare Energien, reduzieren Emissionen, entwickeln kreislauffähige Produkte oder definieren anspruchsvolle ESG-Ziele.
Nur landen all diese komplexen Maßnahmen am Ende häufig in Sätzen wie:
„Wir übernehmen Verantwortung für die Umwelt.“ Das ist ungefähr so konkret wie die Aussage, man mache gern Urlaub. Die eigentliche Leistung guter Nachhaltigkeitskommunikation besteht künftig darin, komplexe Sachverhalte verständlich zu machen – ohne sie zu vereinfachen, zu überhöhen oder in wohlklingenden Floskeln verschwinden zu lassen.
Sie muss konkret sein. Sie muss nachvollziehbar sein. Sie muss konsistent sein. Und sie muss einer einfachen Frage standhalten: Woran machen Sie das fest? Denn zwischen „Wir reduzieren Emissionen“ und „Wir haben unsere Scope-1-Emissionen seit 2022 um 18 Prozent reduziert“ liegen kommunikativ nur wenige Wörter. Vertrauensseitig liegen Welten dazwischen.
Nachhaltigkeit spricht nicht in jeder Sprache gleich
Besonders anspruchsvoll wird die Situation für international tätige Unternehmen. Denn Nachhaltigkeitsaussagen erscheinen selten nur in einer Sprache. Sie finden sich auf Websites, in ESG-Berichten, Produktinformationen, Kampagnen und Investorenkommunikation – häufig gleichzeitig in zahlreichen Märkten.
Und genau hier zeigt sich: Nachhaltigkeit lässt sich nicht einfach übersetzen.
Eine Aussage, die in einem Land als sachlich und transparent wahrgenommen wird, kann in einem anderen Markt übertrieben, missverständlich oder regulatorisch problematisch sein. Mit anderen Worten: Nachhaltigkeitskommunikation braucht nicht nur die richtigen Fakten, sondern auch die richtigen Worte.
Und diese Worte müssen in jeder Sprache dieselbe Präzision entfalten. Denn es geht längst nicht mehr nur um Übersetzung. Es geht um Konsistenz, Terminologie, kulturelle Einordnung und die Frage, wie Nachhaltigkeitsbotschaften so übertragen werden können, dass sie in jedem Markt glaubwürdig und belastbar bleiben.
Grün bleibt wichtig. Präzision wird Pflicht.
Die EmpCo-Richtlinie markiert deshalb nicht das Ende der Nachhaltigkeitskommunikation. Sie markiert ihr Erwachsenwerden. Unternehmen werden künftig weniger behaupten und mehr erklären müssen. Weniger mit großen Begriffen arbeiten und stärker zeigen, was tatsächlich erreicht wurde – und vielleicht auch, was noch nicht erreicht wurde.
Denn auch Transparenz über offene Ziele schafft Vertrauen. Die gute Nachricht: Viele Unternehmen müssen dafür nicht nachhaltiger werden. Sie müssen lernen, präziser darüber zu sprechen.
Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitskommunikation sprachlich auf den Prüfstand zu stellen – von Websites und Broschüren über ESG-Berichte bis hin zu internationalen Kampagnen. Damit aus guten Absichten glaubwürdige Aussagen werden. Und aus komplexen Nachhaltigkeitsthemen Texte, die verständlich, konsistent und auch künftig belastbar bleiben.
Haben Sie Fragen rund um die Themen Nachhaltigkeits- und Geschäftsbereichte oder benötigen Sie Unterstützung bei der Erarbeitung?