BFSG: ein Erfolg mit viel Luft nach oben

Ein Jahr ist es her, dass das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft getreten ist. Dank ihm haben viele Menschen einen Schlüssel für eine Tür bekommen, die vorher fest verschlossen war: Beispielsweise kann eine blinde Frau nun online einen Antrag ausfüllen, weil die Website mit einer Vorlesefunktion ausgestattet wurde. Für einen älteren Herren erschließt sich zum ersten Mal das Formular für die Krankenkasse, weil es in leichter Sprache verfasst ist. Und ein junger Mann mit Lernschwierigkeiten versteht den Steuerbescheid, weil er in einfacher Sprache geschrieben ist. 

Leichte Sprache_Apostroph Group

Andere Türen klemmen noch ein wenig: Eine App funktioniert zwar mit der Vorlesefunktion, aber die Bedienung ist kompliziert. Manche Websites sind zwar barrierefrei gestaltet, aber die Texte bleiben unverständlich.

Und wieder andere Türen sind noch immer zu – der Schlüssel fehlt weiterhin: Ein wichtiges Informationsblatt gibt es nur in Amtsdeutsch. Der Zugang zum Sprachkurs ist nur mit einer Online-Anmeldung möglich, die es nicht in einfacher Sprache gibt.

Barrierefreiheit bleibt nicht länger nur ein Wort

Das BFSG hat einen wichtigen Impuls gesetzt: Erstmals stehen auch Unternehmen in der Pflicht, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Entsprechend hat sich einiges bewegt. Große Plattformen, Banken und Online-Shops haben nachgebessert – und insgesamt ist das Niveau gestiegen. Wer heute online einkauft oder seine Rechnung bezahlt, hat zumindest mehr Chancen denn je, die Information selbstständig erfassen zu können – etwa durch screenreaderfreundliche Formulare, klarere Strukturen und bessere Lesbarkeit.

Diese Entwicklung belegen auch aktuelle Zahlen: Laut einer Analyse von Gisma University of Applied Science ist der Anteil vollkommen barrierefreier Websites in Deutschland innerhalb eines Jahres von rund 6,5 Prozent auf nahezu 12 Prozent gestiegen. Besonders positiv: Sehr niedrige Bewertungen kommen inzwischen kaum noch vor. Im Vergleich zur Zeit vor dem Inkrafttreten des BFSGs, als einzelne Websites noch deutlich schwächer abschnitten, zeigt sich heute insgesamt ein stabileres Niveau. Grundlegende technische Defizite werden zunehmend beseitigt.

Nadja Plaßmann
„Ich mag gern Kurzgeschichten und lange Spaziergänge. Außerdem neige ich zum Wurzelschlagen, wünsche mir aber bisweilen Flügel. Seit 2006 korrigiere und texte ich mit Akribie, Anspruch und Aussagekraft.“
Nadja Plaßmann · Language Consultant, Apostroph Germany

Gute Technik öffnet, klare Sprache erreicht

Trotz der Fortschritte erreicht bislang nur etwa jede achte Website die höchsten gesetzlichen Anforderungen an Barrierefreiheit. Vor allem die Verständlichkeit erweist sich als kritischer Faktor. Viele Websites erfüllen technische Anforderungen, scheitern aber daran, Informationen klar und nachvollziehbar zu vermitteln.

Wie relevant das ist, zeigen aktuelle Studien: Rund 20 Prozent der Erwachsenen in Deutschland – etwa 10,6 Millionen Menschen – verfügen nur über geringe Lese- und Schreibkompetenzen (Quelle: Universität Hamburg, LEO/PIAAC 2023). Für sie sind komplexe Texte eine echte Barriere – selbst dann, wenn die Technik funktioniert.

Gerade für Marketingabteilungen und Agenturen liegt hier ein entscheidender Hebel. Denn Verständlichkeit ist kein „Nice-to-have“, sondern Voraussetzung für Reichweite, Conversion und Teilhabe. Wer Inhalte vereinfacht, erreicht nicht nur Menschen mit Einschränkungen, sondern verbessert die Nutzererfahrung insgesamt.

Vom Pflichtprogramm zum Performance-Treiber

Auch aus diesem Grund wächst das Bewusstsein: Die Nachfrage nach Unterstützung im Bereich barrierefreie Kommunikation nimmt deutlich zu. Immer mehr Unternehmen erkennen Barrierefreiheit als strategischen Faktor – für bessere Nutzererlebnisse, eine stärkere Markenpositionierung und den Zugang zu neuen Zielgruppen.

Besonders groß ist das Potenzial bei der Sprache. Denn hier entscheidet sich, ob Inhalte wirklich ankommen. Genau an diesem Punkt setzt Apostroph Germany an: Wir unterstützen Unternehmen dabei, Texte so zu gestalten, dass sie verständlich, zugänglich und wirksam sind.

Sie wollen tiefer einsteigen? Die Unterschiede zwischen leichter und einfacher Sprache sowie praktische Tipps finden Sie hier. 

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